Paul Zweifel
    Gynäkologie
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Paul Zweifel
Paul Zweifel (1848-1927)
Ölgemälde um 1880
Universitäts-Frauenklinik Erlangen

Das Gemälde zeigt den Direktor der Erlanger Frauenklinik zwischen 1876 und 1887.

Paul Zweifel (1848-1927) gehört zu den herausragenden Medizinprofessoren der Erlanger Universität in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als er 1876 mit 26 Jahren Direktor der Frauenklinik wurde, hatten ihn Laborarbeiten zum Stoffwechsel des ungeborenen Kindes bereits international bekannt gemacht. In Erlangen etablierte er vor allem die operative Gynäkologie, obwohl er bei seinem Amtsantritt nur wenig klinische Erfahrung vorweisen konnte.

Wie die meisten deutschen Gynäkologen jener Zeit brachte Zweifel sich seine Operationstechnik selbst bei. Dabei half ihm das Studium ausländischer Bücher und die Arbeit in der Anatomie. Vor Zweifel war in der Frauenklinik kaum operiert worden. 1883 hatte er bereits 55 Baucheingriffe und mehrere Entfernungen der Gebärmutter durch die Scheide vorgenommen. In der Geburtshilfe führte er die Credé'sche Prophylaxe zur Vermeidung von Augenentzündungen bei Neugeborenen ein. Als Zweifel 1887 dem Ruf nach Leipzig folgte, hatte er sich so in Erlangen das Rüstzeug für seine weitere berufliche Laufbahn erworben.

Zweifels Arbeiten zum Stoffwechsel des Ungeborenen entstanden im Straßburger Labor des weltberühmten Physiologen Felix Hoppe-Seyler. Die dort erlernten Methoden der chemischen Analyse und Statistik übertrug er auf seine wissenschaftlichen Arbeiten in der Geburtshilfe und Gynäkologie. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag dazu, dem zuvor mehr empirisch orientierten Fach eine moderne naturwissenschaftliche Basis zu geben.

Für die operative Gynäkologie bedeutete dies, dass der Wert bestimmter Verfahren an Hand möglichst großer Statistiken ermittelt wurde. Eine Methode konnte sich nicht mehr dadurch empfehlen, dass sie in Einzelfällen zum Erfolg geführt hatte. Die Statistik trug - wenn sie zur Grundlage von therapeutischen Entscheidungen gemacht wurde - erheblich zur Sicherheit der Patientinnen bei.

 

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