Kinder aus dem Labor
    Kinderwunsch
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Retortenbaby
Erstes Retortenbaby Deutschlands
"Quick" vom 22.4.1982
Stadtarchiv Erlangen (Reproduktion)

Als bekannt wurde, dass in Erlangen die Geburt des ersten "Retortenbabys" Deutschlands bevorstand, gab es einen riesigen Medienrummel. Die zukünftigen Eltern entschieden sich für die "Flucht nach vorn" und verkauften die Exklusivrechte an die "Quick". Die Reporter feierten den Erlanger Erfolg als "medizinische Sensation des Jahres".

Am 16. April 1982 kam in der Erlanger Frauenklinik das erste Baby Deutschlands zur Welt, das durch eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas (IVF) gezeugt worden war. Es war das weltweit sechste "Retortenbaby".

In der Tierzucht war die künstliche Befruchtung damals bereits eine etablierte Methode, um von wertvollen Muttertieren möglichst viele Nachkommen zu erhalten. Mediziner hatten schon länger den Wunsch, dieses Verfahren auch für Frauen nutzbar zu machen, die wegen einer Verklebung der Eileiter oder anderer Probleme keine Kinder bekommen konnten.

An der Frauenklinik führte Klaus-Georg Bregulla auf Anregung des damaligen Klinikchefs Karl Günther Ober bereits Mitte der 1960er Jahre Tierversuche zur künstlichen Befruchtung durch. Er knüpfte auch fruchtbare wissenschaftliche Kontakte zu den Veterinären der Hochschule Hannover und der Landesbesamungsanstalt in Neustadt/Aisch.

Auf diesen Vorarbeiten konnte das Team um Siegfried Trotnow aufbauen, das sich 1979 formierte. Neben Ärzten, Tierärzten und Laborassistentinnen gehörte ihm auch die Biologin Tatjana Kniewald an, die wesentlich zum Gelingen des Projekts beitrug. Sie wurde zur "zweiten Mutter" des Erlanger Retortenbabys.

Die "künstliche Befruchtung" verhalf seitdem vielen Frauen zur ersehnten Schwangerschaft. Die neue Chance birgt aber auch neue Risiken. Die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle findet normalerweise im Verborgenen statt, im Inneren des weiblichen Körpers. Dadurch entzieht sie sich dem menschlichen Zugriff. Die IVF brachte sie erstmals ans Licht. So wurde es möglich, gezielt in die Entstehung des menschlichen Lebens einzugreifen.

 

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